
Der Urologe empfiehlt die Harnflußmessung (Uroflowmetrie), wenn die Blasenentleerung (Miktion) gestört ist. Die Harnblase besitzt normalerweise ein Fassungsvermögen von etwa 300 bis 400 ml. Der gesunde Erwachsene scheidet innerhalb von 24 Stunden etwa 1500 ml Harn aus. Dabei kommt es im Verlauf des Tages zu etwa vier bis fünf Blasenentleerungen. Als Blasenentleerungsstörungen bezeichnet man ein vermehrtes Wasserlassen (Pollakisurie), schmerzhaftes Wasserlassen (Algurie) oder ein erschwertes Wasserlassen (Dysurie) bedingt durch ein Hindernis in der Harnröhre oder am Blasenausgang. Gelingt es nicht, den Urin vollständig aus der Harnblase zu entleeren, bezeichnet man dies als Restharn. Eine komplette Harnverhaltung liegt vor, wenn eine Blasenentleerung völlig unmöglich ist. Dadurch kann es bei Überdehnung der Blasenwand zu einem teilweisen Versagen des Blasenschließmuskels kommen und es entsteht eine Überlaufblase.
Die Uroflowmetrie gehört zu den Untersuchungen beim Urologen. Um die bestmögliche Messung durchführen zu können, muß die Harnblase gefüllt sein. Der Betroffene sollte die Blasenentleerung bis zum Verspüren eines deutlichen Harndranges hinauszögern.
Das Untersuchungsgerät – das Uroflowmeter, ist ein Meßgerät mit einem Trichter zum Auffangen des Urins. Mittels einem Fühler in der Spitze des Trichters mißt das Gerät genau die Harnmenge pro Zeiteinheit. Das Uroflowmeter verfügt in der Regel über einen Schreiber mit dem die gemessenen Werte als eine Kurve dargestellt werden können. Anhand des Verlaufs dieser Flußkurve können Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen gezogen werden. Neueste Geräte arbeiten in Anbindung an ein Computersystem.
Zunächst wird der Betroffene über den Ablauf der Untersuchung unterrichtet. Wenn die Harnblase gefüllt ist und ein starker Drang zum Wasserlassen besteht, muß der Betroffene in den Trichter des Meßgerätes urinieren bis die Harnblase vollständig geleert ist. Dabei sollte er möglichst normal Wasser lassen. Dies ist am besten möglich wenn der Betroffene beim Wasserlassen unbeobachtet sein kann. Im Anschluß an die Blasenentleerung wird ein möglicher Restharn in der Blase mittels einer Ultraschalluntersuchung festgestellt und genau gemessen.
Wie werden die ermittelten Meßwerte beurteilt? Die Menge des entleerten Harns sollte mehr als 150 ml betragen, um eine aussagekräftige Beurteilung vornehmen zu können. Kommt es wiederkehrend zu kleinen Ausscheidungsmengen, sind weiterführende Untersuchungen erforderlich. Üblicherweise wird im Anschluß an die Uroflowmetrie die Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung der Restharnmenge durchgeführt. Für ein Hindernis bei der Blasenentleerung spricht, wenn der maximale Harnfluß (Flow) weniger als 10 ml pro Sekunde beträgt. Bei Werten zwischen 10 und 15 ml pro Sekunde ist eine weitere Abklärung erforderlich.
Weicht die Kurvenform von der Normalkurve ab, weist dies auf gewisse Krankheitsbilder hin. Ein verzögerter Anstieg der Kurve und ein verminderter Kurvengipfel sowie ein verzögerter Abfall in der zweiten Hälfte der Blasenentleerung kann ein Zeichen für eine gutartige Vergrößerung der Prostata (BPH – benigne Prostatahypertrophie) sein. Ein steiler Anstieg der Kurve mit einem sägenartigen niedrigen Plateau dagegen kann bei der Harnröhrenverengung vorliegen. Die verlängerte Dauer der Blasenentleerung ist ein wichtiger Hinweis für eine Blasenentleerungsstörung, wie sie bei einem Hindernis vorliegen kann.
Da der Betroffene lediglich eine Blasenentleerung in ein Auffanggefäß vornehmen muß, sind für ihn damit keine weiteren Unannehmlichkeiten verbunden. Es handelt sich bei der Uroflowmetrie um eine für den Betroffenen in keiner Weise beeinträchtigenden Untersuchungsmethode zur Feststellung von Blasenentleerungsstörungen.
